Rosalind Porter
 Rosalind  Porter                                        

 

 

 

 

Über meine Malerei 

 

Mein Hauptthema, Horizonte, ist der immer wiederholte Versuch, Begrenzungen aufzuheben oder zu hinterfragen. Ich bemühe mich diese Grenzlinie auszudeuten. Meine große Liebe gilt der Ölfarbe und ich fühle mich mit diesem Medium sehr zuhause. Es ermöglicht mir auch viele Freiheiten in technischer Hinsicht.

Bei meinen abstrakten Landschaften tritt sämtliche Realitätsgestaltung zugunsten einer emotionalen Auseinandersetzung zurück. Sie haben meistens keinen Bezug zu einem existierenden Ort. Selbst da, wo der Titel eine bestimmte Landschaft nennt, ist das Bild als Metapher gemeint.

Die Vorstellungen der Romantik in der Malerei (so wie in der Musik natürlich) sind mir absolut nicht fremd, was auf den ersten Blick nicht sofort erkennbar sein mag, da die Bilder sehr abstrahiert sind. Aber mein Ziel ist es, emotionale Zustände festzuhalten und zu provozieren.
Erdfarbene oder tiefblaue Farbmassen beherrschen oft den Vordergrund und den Himmel. Den Mittelgrund lasse ich meist im Verborgenen. Stattdessen bin ich bemüht, der Horizontlinie ein besonderes verfremdetes Licht zu geben.

In manchen Bildern tauchen schemenhafte Figuren auf, gelegentlich unten am Bildrand oder sie schweben am Himmel oder im Wasser. Sie sind einfach da, außerhalb jeglicher korrekter Perspektive. Diese Figuren verhalten sich selbst als Betrachter, zum Bild zugehörig und dennoch gleichzeitig als ein Fremdkörper. Sie sind eine Projektion meiner eigenen Identität innerhalb des Gemäldes.

Bei meinen gegenständlich-figurativen Arbeiten, die mich in den letzten Jahren immer stärker beschäftigen, geht es um Menschen oder Tiere und um die Darstellung von Beziehungen. Durch eigene Fotografien von alltäglichen Situationen lasse ich mich zu einer für mich spannenden und zur Landschaft kontrastierenden Arbeitsweise inspirieren. Trotz der Gegenständlichkeit versuche ich das ursprüngliche Sujet weiter zu entwickeln, weg vom augenscheinlichen Realismus, um eine erweiterte Wahrnehmung zu erreichen. Ich verwende wieder gezielte Reduzierungen, Farbnuancen und Lasierungen, damit das Bild transformiert wird. Ich möchte dem jeweiligen Thema eine metaphysische, fast surrealistische Präsenz geben.

Es ist damit dasselbe Ziel wie bei meinen Landschaften, ein Zustand jenseits der Realität. Bei meinen beiden Themen, der Landschafts-, wie auch der figurativen Malerei, spielen sowohl intensive Farben wie auch die Darstellung des Lichts die Hauptrollen.

Bei meinen Arbeiten auf Papier, speziell den Zeichnungen mit ihren mitunter dunklen Anspielungen, ist die Arbeitsweise gefühlsgeladen und  spontan, also das Gegenteil von meinen arbeitsaufwändigen Öl-Gemälden.

Text: Rosalind Porter